2016-01-26

Studium: Modernes Japan an der HHU Düsseldorf und Auslandsstudium

Ich denke, es könnte einige angehende Studenten interessieren, wie das Studium "Modernes Japan" an der HHU aussieht und wie man mithilfe des Studiums nach Japan kommen kann.

Zunächst zum Studium an sich. Eine kleine Auswahl der (verständlichen) Fragen, mit denen wohl jeder MoJa-Student von Seiten seiner Freunde oder Verwandten irgendwann konfrontiert wird:

"Geht es da um Manga und Anime? Was bedeutet denn 'Modernes Japan?'"
"Musst du Hausarbeiten und deine Bachelorarbeit auf Japanisch schreiben?"
"Was macht man dann damit?"




"Geht es da um Manga und Anime? Was bedeutet denn 'Modernes Japan?'"
Ja. Auch. Und wieder nicht. "Modern" bezieht sich auf die Geschichte Japans. Ja, ich muss kurz über Geschichte reden. Eine gute Übung für alle, die am Studium Modernes Japan interessiert sind. Denn es wird viel Geschichtsunterricht geben. Und ich versuche es kurz zu machen:

1868 wurde in Japan das Shogunat abgeschafft, welches drei Jahrhunderte lang Japan relativ friedlich und geeint regiert hatte. Allerdings war Japan während dieser Zeit durch eine restriktive Außenpolitik auch fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Die alleinige Macht des Tenno (Kaisers), der zuvor unter dem Shogunat praktisch keine Macht mehr hatte, wurde erneuert und die gesamte japanische Gesellschaft und Politik wurde umgestaltet. Dadurch, dass die alte Herrschaft des Kaisers wieder hergestellt wurde, nennt man diesen Vorgang die "Meiji-Restauration" (Wiederherstellung). 
Ich wollte mich kurz fassen, also werde ich nicht alles erklären, was zur Meiji-Restauration führte. Aber während dieser Zeit  begann der intensive Austausch mit dem Westen und in dieser Zeit entstanden die meisten modernen Institutionen in der Form, in der sie heute noch existieren: Das Schulsystem, das Militärsystem, die Regierungsform, bestimmte Stile der Architektur, Teile der Wirtschaft usw.
Das heutige, moderne Japan entwickelte sich zu großen Teilen während der Meiji-Restauration und deswegen befassen wir uns im Studium vor allem mit dem Japan ab dieser Zeit.

Das Studium "Modernes Japan" ist in fünf Bestandteile eingeteilt:
1. Vier intensive Sprachkurse über die ersten 4 Semester. (5 Tage die Woche inklusive Hausaufgaben. Herausfordernd, aber machbar). 
2. Drei verpflichtende einführende Vorlesungen: Geschichte Japans, Kultur Japans, Gesellschaft Japans. Diese muss man mit einer ziemlich heftigen Prüfung abschließen, in der Stichpunkte und Fragen aus den drei Bereichen abgefragt werden.
3. Zwei Module: Sozialwissenschaftliches Themenmodul und kulturwissenschaftliches Themenmodul. 
Zu den Bestandteilen der Module gehören: Inter- und Transkulturalität, Gender Studies, Globalisierung, Konsumgesellschaft, gesellschaftliche Polarisierung, Alter(n)sforschung und Populärkultur (und hier geht es dann auch mal um Manga und Anime :D).
4. Projektmodul. In diesem Projektmodul kann man nach Japan für ein Auslandsstudium. Mehr dazu weiter unten.



"Musst du Hausarbeiten und deine Bachelorarbeit auf Japanisch schreiben?"
Nein. Wir lernen zwar Japanisch in den Sprachkursen, aber wir schreiben alle Arbeiten in den anderen Modulen auf Deutsch. Japanisch ist einfach viel zu schwierig, um akademische Texte von 15-30 Seiten zu schreiben. Selbst nach einem Japanaufenthalt und wenn man meinetwegen recht gut sprechen kann, ist es etwas völlig anderes, auf fachjapanisch zu schreiben. 



"Was macht man dann damit?"
Ich kann dazu nur meine eigene Meinung sagen. 
Auf der einen Seite ist es wohl für alle Geisteswissenschaftler schwer, einen Beruf zu finden, der zu ihrem Studiengang passt, da die moderne Berufswelt sich leider vor allem auf finanzielle Produktivität und Wirtschaftswachstum zu fixieren scheint. Nicht nur für Japanischstudenten ist es daher schwer, DEN Job für ihren Studienabschluss zu finden. 

Meiner Meinung nach kommt es immer darauf an, was man selbst aus seinem Studium macht. 

Viel wichtiger finde ich die Frage, was einem das Studium bringt. 
Studieren kann einem eine Menge bringen. Sei es die Erfahrung 
- neue Menschen kennen zu lernen
- der Umzug oder das Pendeln in eine große Stadt
- die Erweiterung seines Horizonts (es gibt so viele Veranstaltungen, Vorlesungen, Workshops, die man besuchen kann um etwas zu lernen oder neue Blicke auf das Leben zu erhalten)
oder die berühmten "Soft-Skills": 
- Reden vor großem Publikum
- (akademisches) Schreiben
- Hinterfragen und unvoreingenommenes Denken (natürlich abhängig vom eigenen Interesse und den Dozenten)
- Argumentieren und Diskutieren (auch hier natürlich abhängig von Studiengang und Dozent) 
- die Erfahrung, auch etwas, das einem nicht wirklich viel Spaß macht, durchzuziehen und zu schaffen ODER auch nicht zu schaffen, zu scheitern und daraus zu lernen. 
Das alles können einem aber wahrscheinlich auch andere Bildungsformen geben, das kann ich nicht beurteilen.
Das Studium Modernes Japan hat mir in dieser Hinsicht sehr viel gebracht.
Vor allem habe ich durch Modernes Japan viele Zusammenhänge zwischen Geschichte, Kultur und Nationen gelernt. Nicht nur auf Japan bezogen. Man lernt die historischen Zusammenhänge von Nationenbildung, Rassismus, Orientalismus und deren Ursprünge und Auswirkungen auf heutige Fakten und Geschehnisse. Die Theorien, die man dabei über Japan lernt, kann man genauso gut auf viele andere Länder übertragen. Man lernt, sein vorheriges Bild von Japan und Ländern generell zu hinterfragen, überhaupt Auffassungen und Klischees zu hinterfragen, auch diese, die nicht offensichtlich sind, sondern fast schon als "Wahrheiten" gelehrt wurden und auch von "Fachleuten" immer wieder genannt und wiederholt werden. 
Man lernt über die Geschichte, Gesellschaft und Kultur Japans, aber nicht isoliert, sondern stets im Zusammenhang mit modernen Geschehnissen und der Weltpolitik. 
Man lernt außerdem die japanische Sprache und je nachdem wie sehr man lernt, kann man relativ weit kommen mit dem intensiven Sprachunterricht. Viele Absolventen können in Japan (zum Beispiel als Lehrer) oder in japanischen Unternehmen arbeiten. 
Darüber hinaus habe ich gelernt, über Wikipedia hinaus zu recherchieren, Fachliteratur einzuordnen und in meinem Nebenfach Germanistik die Entstehung und Geschichte der deutschen Sprache usw. 
Es kommt immer auf den Studierenden selbst an, wie viel er aus dem Studium mitnimmt und in wie weit es ihn  interessiert oder er bereit ist, sich einzulassen. Mir hat "Modernes Japan" und "Germanistik" zumindest viel gebracht.



Wie kann man in Japan studieren?
Das Institut Modernes Japan hat Abkommen mit verschiedenen japanischen Universitäten.
Im Moment gibt es meines Wissens nach 14 Austauschplätze.
Wenn man einen dieser Plätze bekommt, braucht man an der jeweiligen japanischen Universität keine Studiengebühren zu zahlen, die der teuerste Bestandteil des Studiums in Japan sein dürften.
Um einen dieser Plätze zu bekommen, muss man folgendes leisten:

1. Alle Sprachprüfungen der Sprachkurse bestehen.
2. Die Abschlussprüfung der einführenden Pflichtvorlesungen nicht schlechter als mit 2,5 bestehen.
3. Ein eigenes kleines Forschungsprojekt ausarbeiten, das man in Japan durchführt, da das 5. und 6. Semester ein Projektmodul enthält und man dieses entweder in Japan oder in Deutschland durchführen muss. 

Meine Erfahrung
Klingt alles ziemlich viel. Ist es auch. Aber trotzdem ist es machbar.
Ich wusste genau, dass ich mir ein privates Studienjahr in Japan nicht leisten konnte, dass ich aber, um die Sprache zu lernen, längere Zeit in Japan leben müsste. Ich sagte mir also vor dem Studium, dass ich es versuchen würde, einen der Austauschplätze zu bekommen.
Die ersten Noten der Sprachkurse waren gut. Für die ziemlich umfassende Prüfung über die regionalwissenschaftlichen Grundlagen habe ich ziemlich früh angefangen zu lernen, da ich Fakten nicht schnell lernen kann. Ich brauche oft etwas länger, um mir Fakten und Daten einzuprägen. 

Meiner Meinung nach sollte man sich auch früh über sein Forschungsprojekt Gedanken machen, wenn man ein Auslandsstudium anstrebt. Je früher man anfängt, sich mit dem Projekt zu befassen, desto früher merkt man, ob das Projekt gut ist oder nicht. Zunächst hatte ich die Idee, etwas über das Frauenbild in Japan zu machen. Später entschied ich mich dann zu einem Thema aus dem  Bereich Alter(n)sforschung und entwickelte ein Projekt zum Thema "Demenzpflege in Japan".
Ich bewarb mich mit dem Projekt und es klappte. Im Januar 2013 wurde mir ein Platz an der Nanzan Universität in Nagoya angeboten. Die darauf folgenden Monate musste ich verschiedene ärztliche Atteste, Unterlagen, Auslandskonten, Visa usw. beantragen Das kann ganz schön nervig sein, vor allem wen man sich fragt, warum die japanische Uni verlangt, dass man ein Röntgenbild von seiner Brust machen lässt, welches man mit 80€ bezahlen muss, nur damit ein Arzt es dann anschaut und auf einem Zettel schreibt "hat keine Tuberkulose" und diesen Zettel an nach Japan schickt.
Es lohnt sich außerdem, sich Gedanken über Stipendien zu machen, wenn man auf Geld angewiesen ist. Es gibt verschiedene Angebote aus Japan und Deutschland und es gibt auch die Möglichkeit, Stipendien zu kombinieren. Bekannte Stipendien sind zum Beispiel das JASSO-Stipendium und Stipendien des DAAD.

Ich hoffe, die Beschreibung des Studiengangs Modernes Japan und die Abwicklung bis zum Auslandsstudium hat einigen weitergeholfen, die sich für ein Studium in Düsseldorf interessieren :)

1 Kommentar:

  1. Hui schön, dass du unseren Studiengang so umfassend vorgestellt hast! :D Das wird bestimmt einigen eine Hilfe sein, die sich dafür interessieren, eigentlich müsste es so etwas von jedem Studiengang geben, eine Darstellung durch einen Absolventen, das ist viel hilfreicher als die meisten hochgestochenen und übertriebenen Darstellungen auf den Homepages oder in den Modulbüchern! :)

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